Schneeschippen in der Wüste

Stattdessen wurde nun die Batterie des anderen Autos ausgebaut, in der Hoffnung, dass diese den erforderlichen Strom liefern würde. Und nun verstand ich: zur Überbrückung wurden nicht etwa Kabel benutzt, sondern eiserne Schraubenschlüssel an die Kontakte gehalten. Interessant. Während mir der Sohn aufmunternd zunickte und versuchte zu erklären was geschah, knallte es ordentlich und Funken stoben aus der Motorhaube. Okay, falsch rum „verkabelt”. Konzentration aufs Wesentliche und nochmal versucht. Nichts. Unser Camp in der Wüste Gobi.

Also musste es anders gehen. Wir versuchten unseren Jeep mit dem Kleinwagen abzuschleppen und somit die Batterie aufzuladen. Ein Versuch, der bereits im Ansatz scheiterte. Denn die abgefahrenen Reifen des Autos waren mit der Zuglast und dem Schnee restlos überfordert. Okay, anschieben. Doch auch das funktionierte nicht, denn der Jeep war einfach zu schwer und auch wir fanden auf dem Untergrund nicht den nötigen Halt. Ein Hügel, den man den Jeep hätte herunterrollen lassen können, war weit und breit nicht in Sicht. Naja, zugegeben lagen am Horizont einige sanft geschwungene Hügel, doch diese kamen nicht infrage.

Der nächste Versuch: wir befreiten den Wüstensand vom Schnee wie mit Erlebnisgeschenke 2016, in der Hoffnung, dass die Reifen diesmal den nötigen Griff finden würden. Eine Schaufel und viele Schuhsohlen – inzwischen gesellte sich noch ein Motorradfahrer dazu – schufen eine Sandpiste in der Schneelandschaft.

Autos gewendet und erneut angezogen. Zu zweit saßen wir auf der Motorhaube und langsam quälte sich das Zugfahrzeug vorwärts. Doch es war immer noch kein Motorengeräusch zu hören. Nichts. Die Piste war zu kurz. Also wieder alles ans Schneeschippen. Nächster Anlauf. Erste Zündgeräusche waren zu hören! Es sollte doch nicht etwa klappen? Nein. Denn der Motor beließ es bei einem kurzen Röcheln und versagte den Dienst weiter. Mehrere Fehlversuche dieser Art scheiterten kläglich.

Letzte verzweifelte Versuche. Schließlich verschwand der Sohn der Familie, um nach einiger Zeit mit zwei vermeintlich neuen Batterien zurück zu kommen. Diese ein- und wieder ausgebaut, einzeln zur Überbrückung genutzt oder in Reihe geschaltet.

Nichts. Eine 100 Meter lange Sandpiste in den Schnee geschaufelt, insgesamt fünf Batterien, die sich am Wegesrand türmten und ratlose Gesichter. Alles umsonst. Langsam machte sich Unmut breit. Auch unser Fahrer und seine Helfer schienen am Ende mit ihrem Latein. Seit drei Stunden mühten wir uns nun in der Kälte ab. Obwohl uns bei der ganzen Schieberei langsam warm wurde.

Angekommen in Ulan Bator

Haha, das erinnert mich an ein Erlebnis aus meiner Jugend! Vor gut 20 Jahren bin ich mal mit meinem Auto an einer T-Kreuzung in der Nähe einer Kfz-Werkstatt liegengeblieben. Ich laufe also die ca. 30 m zu besagter Werkstatt, sage: “mein Auto steht da vorne und macht keinen Zucker mehr”.

Erste Gegenfrage: “Haben sie mal auf die Tankanzeige geschaut?” Das hatte ich tatsächlich, der Tank war halbvoll und ich sagte ganz empört: “diese Frage stellen sie aber nur Frauen, oder?”

Die zweite Nacht in der Ger stand der ersten in nichts nach. Es war erneut bitterkalt. Der einzige Unterschied war, dass man dieses Mal, kündigte sich ein natürliches Bedürfnis an, eine halbe verschneite Pferdekoppel überqueren musste, um zu dem Verhau zu gelangen, den man hier Toilette nennt.

Da man aber ohnehin in all seinen Klamotten schlief, war es halb so wild. Das warme Süppchen des Abends hielt in etwa so lange vor, wie das Nadelholz, das wir hier verfeuerten. Trotzdem schliefen wir nach unserer Klettertour und dem Ausritt wie die Babys und erwachten am nächsten Tag voller Tatendrang. Es war der dritte Tag in der Wildnis.

Der Wasserfall in der Morgensonne. Auch hübsch. Nach einem kargen Frühstück machten wir uns erneut zum Wasserfall auf, um das Naturspektakel noch einmal zu betrachten, während es über Nacht gänzlich eingefroren war und nun direkt von der Morgensonne beschienen wurde. Es war nicht minder atemberaubend als am Abend zuvor. Als wir zu unserem Camp zurückkehrten, wartete Jay bereits im Jeep. Der Motor lief und unser Fahrer schien es eilig zu haben. Er ahnte wohl, welche Widrigkeiten einen in der Wildnis erwarten konnten.

Über Stock und Stein querfeldein. Der dritte Tag sah eine Fahrt zum Rande der Wüste Gobi vor, die Route führte uns zunächst zurück zu dem Dorf, an dem wir Tags zuvor zur Mittagszeit einkehrten und die gewagte Flussquerung unternahmen. Die Landschaft kannten wir vom Partnervermittlung Deutschland Trip bereits, was nichts an ihrer Schönheit änderte.

Ebenso kannten wir die Pisten, denen ich nicht den Titel einer Straße verleihen möchte. In Deutschland werden solche Strecken für gutes Geld von speziellen Architekten angelegt. Wir nennen sie Motor-Cross-Strecken. Entsprechend langsam ging es voran. Oftmals nur im ersten Gang, da die von messerscharfen Steinen gesäumten Steigungen und Kurven nicht mehr als Schrittgeschwindigkeit erlaubten.

Angekommen In der Wildnis

Doch der Ausritt dauerte keine Stunde, denn mit eingefrorenen Oberschenkeln reitet es sich schlecht. Also brachen wir das Unterfangen nach knapp einer halben Stunde ab und ließen den Tag in der Ger bei einer heißen Suppe ausklingen. Wie es sich für echte Mongolen gehört.

Ich zoome mich gerade durch Christines google-Karte eures Weges und verlasse für diese Momente, in denen ich euren Erzählungen folge, meinen Schreibtisch und versuche mich in eure Situation, in eure Gefühlswelt zu versetzen und verbleibe mit feuchten Händen und dem Kribbeln im Bauch. Ein weiser alter Affe Rafiki hat mal gesagt:”Es gibt mehr als Du siehst!” Und so lausche ich eurer Mehr-Sichtigkeit und eurer Wortgewandtheit und erfreue mich an eurem Mut und Männlichkeit! ??

Bereit für die Wildnis. Nach fünf Tagen waren wir der Ansicht, Ulan Bator ausreichend erkundet und das Groß der Sehenswürdigkeiten abgearbeitet zu haben. Also entschlossen wir uns, einen Trip in die mongolische Steppe zu unternehmen und uns die atemberaubende Landschaft mit eigenen Augen anzuschauen. Die viertägige Tour sollte uns mit dem Jeep in die Wildnis führen, Sightseeing, Pony- und Kamelreiten inklusive. Obendrein wurde uns noch das eine oder andere Abenteuer geboten, dass die Planung so nicht vorgesehen hatte… Dafür werden wir bald fähre sassnitz trelleborg machen.

Gegen neun Uhr verließen wir mit unserem Fahrer Jay das Hostel und ließen kurz darauf Ulan Bator und damit die Zivilisation hinter uns. Das Verlassen der Stadt kündigte die erste vermeintlich herrenlose Kuhherde an, die sowohl neben als auch auf der Straße gemächlich ihres Weges zog.

Erstaunlicherweise wird den streunenden Tieren hier von den Autofahrern ungleich mehr Respekt und Geduld entgegen gebracht als jedem Fußgänger. Kaum hatten wir die letzten Häuser hinter uns gelassen, breitete sich vor uns die unendliche Weite der mongolischen Steppe aus.

Schneebedecktes, karges Weideland soweit das Auge reichte. Eingefasst von sanft geschwungenen Hügeln, die teils mit Puderzucker bestreut schienen, teils von Geröllformationen gekrönt oder in schlichtem Grün-Braun die Flanken bis zum Horizont markierten. Über allem lag ein stahlblauer, wolkenloser Himmel und strahlender Sonnenschein.

Uns stockte der Atem. Andächtig schweigend bestaunten wir diese Naturschönheit, während sich unser Jeep die schnurgerade durch die Landschaft gezogene Straße entlangarbeitete. Diese Schlaglochpiste war dann auch auf Meilen das einzige Zeichen von Zivilisation. Kein Ort, keine Hütte und kein anderes von Menschenhand errichtetes Gebäude war zu sehen. Nur Tiere.

Fahrt ans Ende der Welt

Die Fahrt dauerte vier Stunden. Wieder ging es über einsame Straßen, die teilweise bis zum Horizont keine Kurve beschrieb. Es ging vorbei an ewig weiter Steppe, man konnte Kilometer weit sehen und sah doch nicht viel mehr als kleine Grasbüschel, die aus dem Schnee lugten. Dennoch hingen wir beide wie gebannt an den Fenstern und drückten uns die Nasen an der Scheibe platt. Diese Landschaft, so karg sie auch sein mag, hat eine majestätische Schönheit.

Die Landschaft ist auf eine elegante Weise karg und die Weite lässt keinen Zweifel aufkommen, wer hier die Oberhand hat. Es gebietet Respekt, wenn man Stunde um Stunde durch eisbedeckte Steppe fährt und man ganz genau weiß, dass man ohne zivilisatorische Hilfsmittel hier innerhalb von weniger als einem Tag hoffnungslos verloren wäre.
Doch an diesem Tag hatten wir Glück, das Auto hatte keine Panne.

Am frühen Nachmittag pausierten wir in einem kleinen Dorf. Dorthin zu gelangen war in sofern kompliziert, als es einen Bach zu überqueren galt und wir die Straße bereits einige Zeit hinter uns gelassen hatten. Nun ging es über Feldwege, manchmal auch direkt über Wiesen und Felder wie damals auf Mein Schiff Tui.

Hier gab es keinen Asphalt, keinen Beton und somit auch keine Brücke. Wir mussten einige Male halten, Jay stieg aus und begutachtete den gefrorenen Bachlauf skeptisch, bis er eine Stelle ausgemacht hatte, von der er meinte, dass das Eis dick genug sei um das Auto zu halten. Es war wohl seiner Erfahrung zu verdanken, dass wir wohl behalten ankamen, obwohl uns beiden etwas mulmig zumute war und wir meinten das Eis knirschen zu hören.

In diesem kleinen Dorf, dessen Häuser nahezu ausschließlich aus Holz gebaut waren, dessen Wege mehr aus kleinen Hügeln und Tälern, denn aus einer ebenen Piste bestanden, nahmen wir unser Mittagessen ein. In einer kleinen Stube gab es Dumplings. Das sind aus Nudelteig geformte ballonförmige Taschen mit Füllung, welche an diesem Tag aus Lammfleisch bestand. In China werden sie meistens gedämpft, hier wurden sie in Brühe gekocht serviert und schmeckten köstlich.

So gestärkt ging es weiter. Und wenn wir dachten es könne nicht wilder werden, wurden wir wieder einmal überrascht. Die letzte Stunde ging es nur noch über Wiesen. Keine Straße, kein Weg, teilweise nicht mal Reifenspuren auf dem Schnee. Querfeldein ging es durch das etwa einen Kilometer breite Tal, zu beiden Seiten von kleineren Bergen eingerahmt der Sonne entgegen.

Flussquerung für Abenteuerlustige

Ohne ein geländetaugliches Fahrzeug wäre man hier hoffnungslos verloren gewesen. Bisweilen waren es lediglich die Sicherheitsgurte, die uns auf dem Sitz hielten. Jay hingegen verzichtete gänzlich auf überflüssigen Schinckschnack wie einen Gurt, krallte sich an seinem Lenkrad fest und zog an seiner Zigarette, während er auf dem Fahrersitz hin und her geworfen wurde.

Als wir das Dorf passiert hatten, in dem wir am Vortag unsere Mittagspause verbrachten, standen wir erneut vor dem gefrorenen Fluss, den es zu überqueren galt. Nun ja, nach europäischen Maßstäben wäre es wohl eher ein Bach von etwa zwei Meter Breite und ungewisser Tiefe.

Es wurde nicht gerade wärmer über Nacht und das Eis sollte uns ähnlich zuverlässig tragen wie auf der Hinfahrt. Und das tat es auch. Zumindest für eine kleine Weile. Doch leider nicht lange genug. Kaum hatten die Vorderräder das rettende Ufer erreicht, tat es einen gewaltigen Schlag und die Hinterachse unseres Jeeps brach durch das Eis. Die Tiefe des Baches ließ sich nur erahnen, aber der Wagen verharrte in bedrohlicher Schieflage. Das Eis knirschte angsteinflößend.

Jochen und ich starrten uns entsetzt an, während Jay das Malheur lediglich mit einem beiläufigen „shit!” kommentierte. Wir kletterten aus dem Fond des Jeeps und hangelten uns über Eisschollen unsicheren Fußes ans Ufer. Und nun sahen wir das ganze Ausmaß des Problems: Die Hinterräder waren zur Hälfte im Wasser versunken und hingen an der Kante des Eises fest. Die Stoßstange hatte es beinahe abgerissen und es ging weder vor noch zurück. Sämtliche Versuche unseres Fahrers, den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck zu ziehen, machten die Sache nur schlimmer.

Nach einigen erfolglosen Anläufen waren die Hinterräder fast zur Gänze abgesoffen, und das abgefahrene Profil der Vorderreifen fand am Ufer keinen Halt. Wir schlugen mit Schaufeln auf das Eis ein, schoben, zogen, versuchten mit unserem Körpergewicht die Vorderachse ähnlich zu fähre kiel göteborg germanica zu beschweren, indem wir uns auf die Motorhaube setzten. Wir versuchten alles, doch je mehr wir uns mühten, desto tiefer sank der Wagen im Bach ein. Es schien hoffnungslos. Es war klar, dass wir hier ohne fremde Hilfe nicht frei kommen würden.

Das sieht nicht gut aus. Ich bin ratlos. Während wir allmählich ins Schwitzen kamen und zunehmend verzweifelten, näherte sich ein alter Mongole und beobachtete unser Treiben interessiert. Als wir seiner Gewahr wurden, stürzten wir zu ihm und Jay bat ihn, im nahegelegenen Dorf Hilfe zu holen. Die Notwendigkeit sah er sofort und machte sich auf den Weg. Während wir auf Rettung warteten, wurden wir zunehmend zu einer Attraktion.

Ein gefrorener Wasserfall

Ich dachte mir ein ums andere Mal, dass alleine dieser Moment diesen Trip wert gewesen war, als wir an einem Hof mit einer Hütte und drei Gers ankamen. Am Ende des Tals, von drei Seiten von Bergen umgeben, eine Stunde Jeepfahrt vom nächsten Dorf entfernt, von dem ich mir nicht sicher bin, ob es überhaupt einen Namen hat. Wäre nun Dschingis Khan vor mir gestanden, ich wäre nicht mal überrascht gewesen.

Nachdem wir die Ger bezogen hatten, machten wir uns gleich auf dem Weg zum Wasserfall, der kaum 300 Meter hinter der Ger liegen sollte. Doch er war weder zu sehen noch zu hören. Wo sollte er sein? Etwas unsicher folgten wir dem Fingerzeig von Jay. Und standen erneut mit offenen Mündern da. Sprachlos.

Ein kleiner Bach hatte sich im Lauf der Jahrtausende einen kleinen Canyon in die Landschaft gegraben, dessen Beginn genau vor uns lag. Ein Wasserfall, beinahe zur Gänze gefroren, ergoss sich etwa zehn Meter in die Tiefe, bildete einen kleinen Weiher und zog von dort aus durch das ganze Tal.

An manchen Bäumen oder Steinen waren Gebetstücher wie bei Malediven Cluburlaub Deutschland befestigt, sie flatterten im Winde und setzten diesem Anblick die Krone auf. Wir stiegen hinunter in den Canyon, fotografierten anfangs wie wild, doch standen bald nur noch dort und staunten mit offenen Mündern, die Kamera vergessen um den Hals baumelnd. Es war unbeschreiblich schön.

Todesmutig hoch zu Ross. Kaum zurück in der Ger und aufgewärmt holte uns Jay wieder ab. Die Pferde waren gesattelt, der Ausritt konnte losgehen. Na denn auf die Rösser und ab dafür! Was wörtlich zu verstehen ist, denn genau so war es.

Wer meint, wir wären an die Hand genommen worden, hätten eine Einweisung bekommen oder etwa Schutzausrüstung, der irrt gewaltig. In den Sattel und viel Spaß, seid bitte in einer Stunde wieder zurück, denn die Sonne geht unter und der Hof ist im Dunkeln schwer zu finden. Alles klar! Ein kleiner Junge von etwa 12 Jahren lief anfangs neben uns her, nach ein paar Minuten blieb er auf einem Hügel stehen und beobachtete uns nur noch.

An dieser Stelle soll erwähnt sein, dass keiner von uns in irgendeiner Weise Erfahrung mit Pferden hat. Ich persönlich erinnere mich daran vor knapp 25 Jahren mal für eine Stunde auf einem alten Klepper gesessen zu haben, den meine Eltern bei einem Spaziergang durch den Wald am Zügel hielten.

Das Zuu Kloster in Kharakhorum

Geführt von unserer Gastmutter hielt jeder die Zügel des nächsten Kamels und langsam trottete unsere kleine Karawane durch den Schnee, dem Sonnenuntergang entgegen. Von Wüste war nicht viel zu sehen, lediglich der stellenweise aufgewühlte Schnee gab den Blick auf den Sand frei und ließ uns erahnen, wo wir uns befanden: in der größten reinen Sandwüste der Erde.

Gemütlich schaukelten wir also durch die Wildnis und zitterten vor Kälte, während wir die nach wie vor wunderschöne Landschaft genossen. Zwar hatten wir auf den Ponys mehr Spaß, zumindest als wir endlich die Bremse gefunden hatten, doch um ehrlich zu sein, hatten wir für diesen Tag genug Abenteuer, so dass es völlig ausreichend war, die gute Stunde zurück zu unserer Ger zu schaukeln.

Sonnenuntergang über der Wüste Gobi. Fotografiert vom Rücken eines Kamels. Dort angekommen servierte man uns das Abendbrot und wir ließen bei Kerzenschein und Holzfeuer den Tag Revue passieren, bevor wir erneut frierend unter unsere Decken krochen. An unserem zweiten Tag in der Mongolischen Steppe sollte uns eine ganz besondere Überraschung erwarten. Fernab von Dörfern oder gar Straßen war das Tagesziel ein Wasserfall von magischer Schönheit.

Die erste Station des Tages war das Erdene Zuu Kloster in Kharakhorum von dem wir bei Aida Kreuzfahrten Rabatt gelesen haben. Leider konnten wir nicht mehr sehen als den Innenhof, da das Museum des Klosters an Wochenenden geschlossen hat. Doch auch die wenige Zeit, die wir dort hatten, lohnte sich. Wir besuchten eine Ger, in der Mönche im Kreis saßen und beteten. Rächerstäbchen verbreiteten ihren Duft und buddhistische Devotionalien schmückten die große Ger.

Zuu Kloster in Kharakhorum. Wir lauschten den buddhistischen Gesängen, die sich für westliche Ohren anhören wie ein gleichmäßiges gutturales Gemurmel und vielleicht gerade deshalb unsere Münder offen stehen ließen. Diese Mönche hüllten die Ger in eine Stimmung, die man nur als andächtig beschreiben kann. Unser Fahrer hatte uns hierher gebracht, er führte uns im Kreis durch die Ger und rückwärts wieder hinaus.

Wäre er nicht gewesen, ich glaube nicht, dass wir die Ger betreten hätten, doch wir vertrauten ihm, dass er uns nicht in eine Zeremonie führen würde, die für uns zu betreten respektlos gewesen wäre. Danach drehten wir die Gebetsmühlen vor der Ger und ließen uns von ihm erklären, dass dies Glück bringen soll. Im Stillen dachte ich mir, dass Glück manchmal auch warme Füße bedeuten kann und drehte besonders enthusiastisch.

Durch den Wald am Zügel

Ohne meine Eltern wäre dieses Pferd höchstwahrscheinlich stehen geblieben und an Ort und Stelle vor Lustlosigkeit eingegangen. Peers Erfahrung beschränkte sich auf eine Schwester und eine Exfreundin, die begeisterte Reiterinnen waren. Ansonsten war da nicht viel. Und nun saßen wir fern der Heimat auf den Tieren, die einst halb Asien erobert hatten und waren ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Was sie selbstverständlich ausnutzten.

Sobald wir den Jungen knappe zehn Meter hinter uns gelassen hatten, erfreuten sich unsere Reittiere an einem leichten Trab. Ich war arrogant genug gewesen meine Spiegelreflexkamera mitzunehmen, die ich nun mit einer Hand halten musste, damit sie mir nicht beim herumbaumeln die Nase brach. Gerade als ich mich soweit arrangiert hatte, den Zügel wieder gefunden hatte und meinte, jetzt bring ich mal Ordnung ins System, hatte Fury entdeckt, dass er machen konnte, was er wollte. Antiautoritäte Erziehung funktioniert nicht.

Das ist meine Lehre aus dieser halben Stunde, denn den Nachfahren eines mongolischen Streitrosses mit „brrr” vom gestreckten Galopp abzuhalten ist ungefähr so effektiv wie einen Crackjunky mit bittebitte zu Kräutertee zu überreden. Während ich versuchte auf diesem wild gewordenen Raubtier sitzen zu bleiben wie mit den Kindern im Disneyland Paris Pauschalreisen , raste die gefrorene Steppe unter uns dahin. Hin und wieder waren Steine zu sehen, manche kopfgroß. Mit scharfen Kanten. Auch Baumstämme fielen mir auf, mit sonderbar spitzen Ästen, die hervor ragten.

Ich ging im Kopf die Möglichkeiten durch hier und jetzt mit einem offenen Beinbruch oder schlimmerem umzugehen, während ich versuchte meine Kamera nicht zu verlieren. Als wir beinahe wieder am Hof angelangt waren, hatte ich eine Vision. Ich sah meinen Gaul mit Anlauf über den Zaun springen und mich im hohen Bogen davon katapultieren. Einem Reflex folgend, der mich davon überzeugte, dass ich in einem früheren Leben mal Mongole gewesen sein muss, riss ich am Zügel bis ich den Kopf des Pferdes fast neben meinem hatte.

Gerade als ich anfangen wollte meinem Kollegen ins Ohr zu flüstern, dass ich ihn zu Schaschlik verarbeiten würde, wenn er mich abwerfen sollte, hielt das Biest an. Ich hatte die Bremse gefunden! Juchei! Ich stieß ein „na, geht doch” hervor, atmete meinen Puls unter die 300er Marke und sah mich nach Peer um.

Knapp 50 Meter hinter mir saß auch er noch im Sattel. Etwas grün um die Nase, aber immerhin im Sattel. Ich verstaute meine Kamera unter der Jacke, ritt zu ihm und holte mir den Tip des Tages ab. „Man darf die Zügel nicht locker lassen. Immer schön straff halten, dann wissen sie, wer der Herr im Hause ist, ansonsten machen die was sie wollen”. Wenn ich nicht genau gewusst hätte, dass er ebenso elegant wie ich gleich neben mir daher galoppiert war, ich hätte fast meinen können, dass er es die ganze Zeit unter Kontrolle gehabt hatte.

Nachdem wir uns etwas beruhigt hatten und über die erste Schrecksekunde lachen konnten, fing der Spaß an. Wir ritten hier hin und dort hin, an die Kante des Canyons (die Zügel noch eine Spur fester als vorher, man weiß ja nie), und testeten sogar einen leichten Trab aus.

Abenteuer in der Wüste

Nun reichte es auch Jay. Er kramte sein Handy heraus – ein Satellitentelefon? Denn ich wundere mich noch heute, wie man in diesem Nirgendwo Handyempfang bekommt. Egal, ein kurzes Telefonat und er versicherte uns: „Alles klar, in zwei Stunden ist Hilfe da.” Ich musste unweigerlich an meine ADAC-Karte denken und rechnete im Kopf durch, wie langes es wohl dauern wird, bis uns die gelben Engel ausfliegen würden. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und zurück zu unserem Camp gebeten, wo wir ein weiteres ungeplantes Mittagessen serviert bekamen.

Doch zuvor bekamen wir Gelegenheit, unseren Gastgebern bei der Zubereitung desselben zuzusehen. Es gab Tsuivan, ein typisch mongolisches Gericht mit Nudeln, Gemüse und Fleisch. Es ist erstaunlich, mit welch routinierten Handgriffen die ausnahmslos frischen Zutaten zubereitet und die Nudeln selbstgemacht wurden. Und mit wie wenigen Gewürzen die mongolische Küche auszukommen scheint. Es wurde lediglich Salz verwendet. Zum Nachwürzen wurde dann Ketchup gerecht. Auch nicht schlecht.

Kaum hatten wir das Essen auf dem Tisch, da hörten wir draußen einen Wagen. Unsere Rettung! Jay verschwand für ein kleines Weilchen und während wir unsere Teller wie auf der letzten Reisegutschein online finden Reise leerten, hörten wir draußen auch den zweiten Wagen starten. Geschafft? Ja. Es handelte sich zwar nicht um einen gelben Engel, dafür aber um einen weiteren Jeep unseres Hostels, der hier drei uns wohlbekannte Gestalten ablieferte.

Wir begrüßten einander, da wir uns bereits aus Ulan Bator kannten und teilten in aller Kürze die gemachten Erfahrungen. Zu unserer Überraschung erzählten uns die drei, wie es ihrem Fahrer binnen wenigen Minuten gelang, unseren Jeep zum Laufen zu bringen: Er füllte lediglich etwas Sprit ab und betankte unser Gefährt. Aha. Jay schwieg sich über diesen Umstand beharrlich aus.

Uns war es egal. Mit fünfstündiger Verspätung traten wir den Rückweg an, der sich glücklicherweise recht unspektakulär ausnahm. Spät abends erreichten wir Ulan Bator und unser Hostel. Erst in dieser Umgebung wurden wir gewahr, wie sehr wir eigentlich stanken. Der Duft unserer ungewaschenen Leiber wurde lediglich von dem penetranten Geruch nach Pferde- oder Kamelstall überlagert. Die Betreiberin unseres Hostels empfing uns mit den Worten: „Ihr freut euch bestimmt auf eine heiße Dusche.” So war es. Und wir genossen sie.

Hahaha, an Ende also doch wieder der Klassiker ! Immer wieder interessant, dass keine Menschenseele auf die Idee kommt, mal etwas anderes zu prüfen als die Batterie. Ich hoffe, Ihr merkt Euch das gut für weitere motorisierte Ausflüge in die Wildnis, in welchem Land sie dann auch stattfinden mögen. Auf jeden Fall habt Ihr erneut was erlebt und hoffentlich auch dazugelernt. Super Unterhalteung !

Kamelritt in der Wüste Gobi

Ein Motorradfahrer hielt und schaute sich das Ganze aus sicherer Distanz an. Auf der anderen Seite des Baches versammelten sich einige Kinder, die unser Missgeschick sichtlich amüsierte. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte der alte Mann wieder auf. Auf dem Beifahrersitz eines LKW. Organisatorisches wurde hin und her gerufen und der LKW verschwand wieder. Er suchte sich eine sichere Stelle zur Flussüberquerung und erreichte uns schließlich.

Nun ging es schnell: das Abschleppkabel wurde angelegt und unser Jeep unter dem Jubel der Zuschauer aus dem Bach befreit. Zwar riss es bei dieser Aktion die hintere Stoßstange gänzlich ab, die auch umgehend im Bach versank, doch gelang es uns nach einiger Anstrengung, diese wieder zu bergen. Jay bedankte sich bei unseren Rettern in der Not. Mit 20.000 Tugrik, also etwa 11 Euro. Die Stoßstange wurde aufs Dach gehievt, wo unser Fahrer sie kurzerhand notdürftig mit seinen Schnürsenkeln befestigte. Geschafft!

Unter leichten Verlusten geborgen. Wir schüttelten uns, sprangen in den Jeep und mit gut zweistündiger Verspätung ging es nun weiter durch die Steppe. Wir hatten auf dem Weg noch weitere Bäche zu überqueren und Jay tat dies nun mit der gebotenen Vorsicht. Dennoch hielten wir jedes Mal die Luft an, bis wir das andere Ufer erreichten. Ein weiteres Abenteuer dieser Art sollte uns aber erspart bleiben damit wir Spanien Singlereisen 45 machen können.

Ohne weitere Probleme erreichten wir also die Wüste Gobi und unsere Jurte. Eine von insgesamt drei, mitten im Nirgendwo. Und die einzige der drei ohne Strom und Licht. Wir „checkten ein” und kaum hatten wir uns unseres Gepäcks entledigt und eine Tasse Tee eingegossen, steckte Jay schon wieder seinen Kopf durch die Tür: „Jungs, die Kamele warten!” Richtig, Kamelreiten in der Wüste stand ja noch auf dem Plan. Hatten wir in der ganzen Aufregung fast vergessen.

Mit der Anmut eines preußischen Husaren. Gemeinsam mit unserer „Gastmutter” wurden wir zu den Kamelen gefahren. Diese zotteligen Gesellen besaßen ein äußerst sanftes Gemüt, ließen sich geduldig satteln und uns ohne Widerstand aufsteigen. Andernfalls wäre es ihnen schlecht ergangen, denn die Zügel, die hier eher einer Leine glichen, waren an einem Knochen befestigt, der den armen Tieren durch die Nase getrieben wurde.

Fixiert mit dem Deckel einer Plastikflasche. Auch wenn ich wohl das Reittier mit dem feurigsten Temperament erwischte (denn es war das einzige, das hin und wieder eigenmächtig in den Trab übergehen wollte), im Vergleich zu dem Husarenritt auf den struppigen und halbwilden Ponys am Vortag, war es diesmal um einiges gemächlicher.