Flussquerung für Abenteuerlustige

Ohne ein geländetaugliches Fahrzeug wäre man hier hoffnungslos verloren gewesen. Bisweilen waren es lediglich die Sicherheitsgurte, die uns auf dem Sitz hielten. Jay hingegen verzichtete gänzlich auf überflüssigen Schinckschnack wie einen Gurt, krallte sich an seinem Lenkrad fest und zog an seiner Zigarette, während er auf dem Fahrersitz hin und her geworfen wurde.

Als wir das Dorf passiert hatten, in dem wir am Vortag unsere Mittagspause verbrachten, standen wir erneut vor dem gefrorenen Fluss, den es zu überqueren galt. Nun ja, nach europäischen Maßstäben wäre es wohl eher ein Bach von etwa zwei Meter Breite und ungewisser Tiefe.

Es wurde nicht gerade wärmer über Nacht und das Eis sollte uns ähnlich zuverlässig tragen wie auf der Hinfahrt. Und das tat es auch. Zumindest für eine kleine Weile. Doch leider nicht lange genug. Kaum hatten die Vorderräder das rettende Ufer erreicht, tat es einen gewaltigen Schlag und die Hinterachse unseres Jeeps brach durch das Eis. Die Tiefe des Baches ließ sich nur erahnen, aber der Wagen verharrte in bedrohlicher Schieflage. Das Eis knirschte angsteinflößend.

Jochen und ich starrten uns entsetzt an, während Jay das Malheur lediglich mit einem beiläufigen „shit!” kommentierte. Wir kletterten aus dem Fond des Jeeps und hangelten uns über Eisschollen unsicheren Fußes ans Ufer. Und nun sahen wir das ganze Ausmaß des Problems: Die Hinterräder waren zur Hälfte im Wasser versunken und hingen an der Kante des Eises fest. Die Stoßstange hatte es beinahe abgerissen und es ging weder vor noch zurück. Sämtliche Versuche unseres Fahrers, den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck zu ziehen, machten die Sache nur schlimmer.

Nach einigen erfolglosen Anläufen waren die Hinterräder fast zur Gänze abgesoffen, und das abgefahrene Profil der Vorderreifen fand am Ufer keinen Halt. Wir schlugen mit Schaufeln auf das Eis ein, schoben, zogen, versuchten mit unserem Körpergewicht die Vorderachse ähnlich zu fähre kiel göteborg germanica zu beschweren, indem wir uns auf die Motorhaube setzten. Wir versuchten alles, doch je mehr wir uns mühten, desto tiefer sank der Wagen im Bach ein. Es schien hoffnungslos. Es war klar, dass wir hier ohne fremde Hilfe nicht frei kommen würden.

Das sieht nicht gut aus. Ich bin ratlos. Während wir allmählich ins Schwitzen kamen und zunehmend verzweifelten, näherte sich ein alter Mongole und beobachtete unser Treiben interessiert. Als wir seiner Gewahr wurden, stürzten wir zu ihm und Jay bat ihn, im nahegelegenen Dorf Hilfe zu holen. Die Notwendigkeit sah er sofort und machte sich auf den Weg. Während wir auf Rettung warteten, wurden wir zunehmend zu einer Attraktion.