Fahrt ans Ende der Welt

Die Fahrt dauerte vier Stunden. Wieder ging es über einsame Straßen, die teilweise bis zum Horizont keine Kurve beschrieb. Es ging vorbei an ewig weiter Steppe, man konnte Kilometer weit sehen und sah doch nicht viel mehr als kleine Grasbüschel, die aus dem Schnee lugten. Dennoch hingen wir beide wie gebannt an den Fenstern und drückten uns die Nasen an der Scheibe platt. Diese Landschaft, so karg sie auch sein mag, hat eine majestätische Schönheit.

Die Landschaft ist auf eine elegante Weise karg und die Weite lässt keinen Zweifel aufkommen, wer hier die Oberhand hat. Es gebietet Respekt, wenn man Stunde um Stunde durch eisbedeckte Steppe fährt und man ganz genau weiß, dass man ohne zivilisatorische Hilfsmittel hier innerhalb von weniger als einem Tag hoffnungslos verloren wäre.
Doch an diesem Tag hatten wir Glück, das Auto hatte keine Panne.

Am frühen Nachmittag pausierten wir in einem kleinen Dorf. Dorthin zu gelangen war in sofern kompliziert, als es einen Bach zu überqueren galt und wir die Straße bereits einige Zeit hinter uns gelassen hatten. Nun ging es über Feldwege, manchmal auch direkt über Wiesen und Felder wie damals auf Mein Schiff Tui.

Hier gab es keinen Asphalt, keinen Beton und somit auch keine Brücke. Wir mussten einige Male halten, Jay stieg aus und begutachtete den gefrorenen Bachlauf skeptisch, bis er eine Stelle ausgemacht hatte, von der er meinte, dass das Eis dick genug sei um das Auto zu halten. Es war wohl seiner Erfahrung zu verdanken, dass wir wohl behalten ankamen, obwohl uns beiden etwas mulmig zumute war und wir meinten das Eis knirschen zu hören.

In diesem kleinen Dorf, dessen Häuser nahezu ausschließlich aus Holz gebaut waren, dessen Wege mehr aus kleinen Hügeln und Tälern, denn aus einer ebenen Piste bestanden, nahmen wir unser Mittagessen ein. In einer kleinen Stube gab es Dumplings. Das sind aus Nudelteig geformte ballonförmige Taschen mit Füllung, welche an diesem Tag aus Lammfleisch bestand. In China werden sie meistens gedämpft, hier wurden sie in Brühe gekocht serviert und schmeckten köstlich.

So gestärkt ging es weiter. Und wenn wir dachten es könne nicht wilder werden, wurden wir wieder einmal überrascht. Die letzte Stunde ging es nur noch über Wiesen. Keine Straße, kein Weg, teilweise nicht mal Reifenspuren auf dem Schnee. Querfeldein ging es durch das etwa einen Kilometer breite Tal, zu beiden Seiten von kleineren Bergen eingerahmt der Sonne entgegen.