Angekommen In der Wildnis

Doch der Ausritt dauerte keine Stunde, denn mit eingefrorenen Oberschenkeln reitet es sich schlecht. Also brachen wir das Unterfangen nach knapp einer halben Stunde ab und ließen den Tag in der Ger bei einer heißen Suppe ausklingen. Wie es sich für echte Mongolen gehört.

Ich zoome mich gerade durch Christines google-Karte eures Weges und verlasse für diese Momente, in denen ich euren Erzählungen folge, meinen Schreibtisch und versuche mich in eure Situation, in eure Gefühlswelt zu versetzen und verbleibe mit feuchten Händen und dem Kribbeln im Bauch. Ein weiser alter Affe Rafiki hat mal gesagt:”Es gibt mehr als Du siehst!” Und so lausche ich eurer Mehr-Sichtigkeit und eurer Wortgewandtheit und erfreue mich an eurem Mut und Männlichkeit! ??

Bereit für die Wildnis. Nach fünf Tagen waren wir der Ansicht, Ulan Bator ausreichend erkundet und das Groß der Sehenswürdigkeiten abgearbeitet zu haben. Also entschlossen wir uns, einen Trip in die mongolische Steppe zu unternehmen und uns die atemberaubende Landschaft mit eigenen Augen anzuschauen. Die viertägige Tour sollte uns mit dem Jeep in die Wildnis führen, Sightseeing, Pony- und Kamelreiten inklusive. Obendrein wurde uns noch das eine oder andere Abenteuer geboten, dass die Planung so nicht vorgesehen hatte… Dafür werden wir bald fähre sassnitz trelleborg machen.

Gegen neun Uhr verließen wir mit unserem Fahrer Jay das Hostel und ließen kurz darauf Ulan Bator und damit die Zivilisation hinter uns. Das Verlassen der Stadt kündigte die erste vermeintlich herrenlose Kuhherde an, die sowohl neben als auch auf der Straße gemächlich ihres Weges zog.

Erstaunlicherweise wird den streunenden Tieren hier von den Autofahrern ungleich mehr Respekt und Geduld entgegen gebracht als jedem Fußgänger. Kaum hatten wir die letzten Häuser hinter uns gelassen, breitete sich vor uns die unendliche Weite der mongolischen Steppe aus.

Schneebedecktes, karges Weideland soweit das Auge reichte. Eingefasst von sanft geschwungenen Hügeln, die teils mit Puderzucker bestreut schienen, teils von Geröllformationen gekrönt oder in schlichtem Grün-Braun die Flanken bis zum Horizont markierten. Über allem lag ein stahlblauer, wolkenloser Himmel und strahlender Sonnenschein.

Uns stockte der Atem. Andächtig schweigend bestaunten wir diese Naturschönheit, während sich unser Jeep die schnurgerade durch die Landschaft gezogene Straße entlangarbeitete. Diese Schlaglochpiste war dann auch auf Meilen das einzige Zeichen von Zivilisation. Kein Ort, keine Hütte und kein anderes von Menschenhand errichtetes Gebäude war zu sehen. Nur Tiere.