Schneeschippen in der Wüste

Stattdessen wurde nun die Batterie des anderen Autos ausgebaut, in der Hoffnung, dass diese den erforderlichen Strom liefern würde. Und nun verstand ich: zur Überbrückung wurden nicht etwa Kabel benutzt, sondern eiserne Schraubenschlüssel an die Kontakte gehalten. Interessant. Während mir der Sohn aufmunternd zunickte und versuchte zu erklären was geschah, knallte es ordentlich und Funken stoben aus der Motorhaube. Okay, falsch rum „verkabelt”. Konzentration aufs Wesentliche und nochmal versucht. Nichts. Unser Camp in der Wüste Gobi.

Also musste es anders gehen. Wir versuchten unseren Jeep mit dem Kleinwagen abzuschleppen und somit die Batterie aufzuladen. Ein Versuch, der bereits im Ansatz scheiterte. Denn die abgefahrenen Reifen des Autos waren mit der Zuglast und dem Schnee restlos überfordert. Okay, anschieben. Doch auch das funktionierte nicht, denn der Jeep war einfach zu schwer und auch wir fanden auf dem Untergrund nicht den nötigen Halt. Ein Hügel, den man den Jeep hätte herunterrollen lassen können, war weit und breit nicht in Sicht. Naja, zugegeben lagen am Horizont einige sanft geschwungene Hügel, doch diese kamen nicht infrage.

Der nächste Versuch: wir befreiten den Wüstensand vom Schnee wie mit Erlebnisgeschenke 2016, in der Hoffnung, dass die Reifen diesmal den nötigen Griff finden würden. Eine Schaufel und viele Schuhsohlen – inzwischen gesellte sich noch ein Motorradfahrer dazu – schufen eine Sandpiste in der Schneelandschaft.

Autos gewendet und erneut angezogen. Zu zweit saßen wir auf der Motorhaube und langsam quälte sich das Zugfahrzeug vorwärts. Doch es war immer noch kein Motorengeräusch zu hören. Nichts. Die Piste war zu kurz. Also wieder alles ans Schneeschippen. Nächster Anlauf. Erste Zündgeräusche waren zu hören! Es sollte doch nicht etwa klappen? Nein. Denn der Motor beließ es bei einem kurzen Röcheln und versagte den Dienst weiter. Mehrere Fehlversuche dieser Art scheiterten kläglich.

Letzte verzweifelte Versuche. Schließlich verschwand der Sohn der Familie, um nach einiger Zeit mit zwei vermeintlich neuen Batterien zurück zu kommen. Diese ein- und wieder ausgebaut, einzeln zur Überbrückung genutzt oder in Reihe geschaltet.

Nichts. Eine 100 Meter lange Sandpiste in den Schnee geschaufelt, insgesamt fünf Batterien, die sich am Wegesrand türmten und ratlose Gesichter. Alles umsonst. Langsam machte sich Unmut breit. Auch unser Fahrer und seine Helfer schienen am Ende mit ihrem Latein. Seit drei Stunden mühten wir uns nun in der Kälte ab. Obwohl uns bei der ganzen Schieberei langsam warm wurde.