Kamelritt in der Wüste Gobi

Ein Motorradfahrer hielt und schaute sich das Ganze aus sicherer Distanz an. Auf der anderen Seite des Baches versammelten sich einige Kinder, die unser Missgeschick sichtlich amüsierte. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte der alte Mann wieder auf. Auf dem Beifahrersitz eines LKW. Organisatorisches wurde hin und her gerufen und der LKW verschwand wieder. Er suchte sich eine sichere Stelle zur Flussüberquerung und erreichte uns schließlich.

Nun ging es schnell: das Abschleppkabel wurde angelegt und unser Jeep unter dem Jubel der Zuschauer aus dem Bach befreit. Zwar riss es bei dieser Aktion die hintere Stoßstange gänzlich ab, die auch umgehend im Bach versank, doch gelang es uns nach einiger Anstrengung, diese wieder zu bergen. Jay bedankte sich bei unseren Rettern in der Not. Mit 20.000 Tugrik, also etwa 11 Euro. Die Stoßstange wurde aufs Dach gehievt, wo unser Fahrer sie kurzerhand notdürftig mit seinen Schnürsenkeln befestigte. Geschafft!

Unter leichten Verlusten geborgen. Wir schüttelten uns, sprangen in den Jeep und mit gut zweistündiger Verspätung ging es nun weiter durch die Steppe. Wir hatten auf dem Weg noch weitere Bäche zu überqueren und Jay tat dies nun mit der gebotenen Vorsicht. Dennoch hielten wir jedes Mal die Luft an, bis wir das andere Ufer erreichten. Ein weiteres Abenteuer dieser Art sollte uns aber erspart bleiben damit wir Spanien Singlereisen 45 machen können.

Ohne weitere Probleme erreichten wir also die Wüste Gobi und unsere Jurte. Eine von insgesamt drei, mitten im Nirgendwo. Und die einzige der drei ohne Strom und Licht. Wir „checkten ein” und kaum hatten wir uns unseres Gepäcks entledigt und eine Tasse Tee eingegossen, steckte Jay schon wieder seinen Kopf durch die Tür: „Jungs, die Kamele warten!” Richtig, Kamelreiten in der Wüste stand ja noch auf dem Plan. Hatten wir in der ganzen Aufregung fast vergessen.

Mit der Anmut eines preußischen Husaren. Gemeinsam mit unserer „Gastmutter” wurden wir zu den Kamelen gefahren. Diese zotteligen Gesellen besaßen ein äußerst sanftes Gemüt, ließen sich geduldig satteln und uns ohne Widerstand aufsteigen. Andernfalls wäre es ihnen schlecht ergangen, denn die Zügel, die hier eher einer Leine glichen, waren an einem Knochen befestigt, der den armen Tieren durch die Nase getrieben wurde.

Fixiert mit dem Deckel einer Plastikflasche. Auch wenn ich wohl das Reittier mit dem feurigsten Temperament erwischte (denn es war das einzige, das hin und wieder eigenmächtig in den Trab übergehen wollte), im Vergleich zu dem Husarenritt auf den struppigen und halbwilden Ponys am Vortag, war es diesmal um einiges gemächlicher.